Les Cabanes d'Argelaguer

Das erste mal sah ich die Baumsiedlung von Josep Pijiula nur flüchtig, als wir mit relativ hoher Geschwingigkeit auf der Landstrasse, die jetzt das Kunstwerk verschlingen soll, vorbeifuhren.
Die Neugier war stäker als die Hast. Wir drehten um.
Es war der beste kulturelle U-turn meines Lebens.
Eine Leiter, ein langer Gang, wieder eine Leiter. Eine Sitzecke. Tausende von dünnen Akazienääste schützen dich vor dem Abgrund. Du bist in einem Käfig, aber du fühlst dich freier denn je, du schwebst in der Höhe.

Wieder eine Leiter. Plözlich merkst du, dass du zwischen den Baumkronen eines kleinen Eichenwaldes spazierst. Und noch eine Leiter. Aber diese führt zu keinem Ziel. Es ist ein dreidimensionales Labirynth. Gehst wieder runter, suchst eine Leiter, die dich auf die Spitze eines der über 20 meter hohen Türme führen möge ...
... und nimmst wieder eine falsche Leiter. Doch am Ende findest Du den Weg und kletterst den Gaudíturm hoch. Plötlich bist du ein Vogel und vergisst alles, ausser die Freude am Leben.
Und wenn das ganze auch nur ein Trick von Josep Pujiula ist, dankst du dem Himmel über Kalalonien, der gleiche Himmel, der einst Salvador Dalí und den Surrealismus weltberühmt gemacht hat. Diese Siedlung ist surrealistich.
Der Preis diese Zaubers?: 20 Jahre Frohnarbeit von Josep Pujiula.
Der Eintritt zur Siedlung war immer unentgeltlich. Nur eine kleine Kasse für freiwillige Beiträge war da (und wurde auch schon ausgeraubt).
Ist Josep Pujiula ein Katalane der Vergangenheit oder der Zukunft?
Und der Präsident von Katalonien (seit 22 Jahren im Amt, 14 weniger als General Franco)?
Die Kinder schreien. Aus purer Freude. Die Gute Kunst ist so.
Unter dem kleinen Wald schlängelt sich ein langes Gitterrohr zwischen den Baumstämmen. Noch ein begehbares Labyrinth.
Während der Renaissance wurden phantastiche Labyrinthe in Frankreich und Italien gebaut. Venedig ist eines davon.
Während der Globalisierung werden phantastische Laryrinthe in Katalonien verbichtet.
Als ich mich im Labyrinth verlor, kamen die Kinder um mich zu retten. Sie haben sofort den Meister Josep Pujiula entlarvt und kennen all seine Tricks. Die Unschuld rettet uns vor dem Bösen.
Weiter unten hat Pujiula einen wunderbaren Zengarten angelegt. Mit einem Teich, Kaskaden und einer Brücke aus Bambus. Ruhe und Frieden. Kein Platz für Bodenspekulanten. Hunderte von Bäumen bewegen ihre Blätter, angetrieben vom Heiligen Wind Kataloniens: La Tramuntana, die Schweser des Mistrals.
Doch das Katalonien des Friedens wird ausverkauft.
Man muss die Autostrassen verbreitern, man muss mehr Autos verkaufen. Und Brennstoff. Man muss dieses Kunstwerk ausradieren.
Armer Bürgermeister von Argelaguer! Ist er wohl stolz, dass bald eine breitere Autostrasse quer über den grössten Kulturfriedhof der Garrotxa fahren wird?

¡Rettet die Baumsiedlung von Argelaguer!

Castelldefels, 19 de julio de 2002
Manel Franquesa i Voneschen"

Fermer